Zwischen Kunststoff-Kuh und Gefahrstoffalarm – Abwechslungsreiche 12-Stunden-Übung

Wer am Samstagvormittag im Gemeindegebiet eine einsame Kuh auf einer Wiese entdeckt hat, dürfte sich zunächst gewundert haben. Noch größer war die Überraschung beim zweiten Blick: Die Kuh bewegte sich nicht – denn sie bestand vollständig aus Kunststoff. Was für manche Bürger ein ungewöhnlicher Anblick war, markierte den Auftakt unserer diesjährigen 12-Stunden-Übung.

Pünktlich um 9 Uhr begann ein abwechslungsreicher und fordernder Ausbildungstag. Bereits die äußeren Bedingungen hatten es in sich: Bei strahlendem Sonnenschein, blauem Himmel und Temperaturen von rund 32 Grad war schnell klar, dass nicht nur die Übungslagen, sondern auch die Hitze eine Herausforderung werden würde.

Den Auftakt bildeten vier Gruppenübungen, die jeweils parallel abgearbeitet wurden. Zunächst galt es, die eingangs erwähnte Großtierrettung zu bewältigen, während zeitgleich eine Person unter einem Pkw eingeklemmt war und technisch gerettet werden musste. Anschließend standen die Rettung eines abgestürzten Bauarbeiters aus einer Baugrube sowie die Rettung eines kollabierten Dachdeckers von einem Dach auf dem Programm. Bereits am Vormittag zeigte sich dabei die ganze Bandbreite moderner Feuerwehrarbeit.

Nach einer gemeinsamen Mittagspause wurde der Schwierigkeitsgrad erhöht. Die folgenden Szenarien wurden als Zuglagen durchgeführt und forderten die Zusammenarbeit aller Einheiten. Bei einem Verkehrsunfall mit insgesamt fünf Verletzten mussten drei eingeklemmte, schwer verletzte Patienten – darunter ein Kind – gerettet werden. Zusätzlich waren eine verletzte Fußgängerin und eine Radfahrerin zu versorgen. Neben der technischen Rettung stand hier vor allem die Koordination einer komplexen Einsatzstelle im Mittelpunkt.

Es folgte ein Brand im Alten Rathaus, bei dem mehrere Personen als vermisst galten. Gemeinsam mit den Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr Bachhausen wurde die Menschenrettung und Brandbekämpfung unter realitätsnahen Bedingungen geübt.

Den fachlichen Höhepunkt des Tages bildete eine ABC-Lage an der Oskar-Maria-Graf-Schule. Angenommen wurde der Austritt eines unbekannten Gefahrstoffs bei gleichzeitig mehreren vermissten Personen im Gebäude. Während mehrere Trupps unter schwerem Atemschutz zur Menschenrettung vorgingen, erkundete und sicherte ein Trupp unter Chemikalienschutzanzug die Gefahrenstelle. Als zusätzliche Herausforderung wurde im Verlauf der Übung eine Mayday-Situation eingespielt, die die Einsatzkräfte vor weitere anspruchsvolle Aufgaben stellte.

Neben den Übungsszenarien kam auch die Kameradschaft nicht zu kurz. Für die Verpflegung über den gesamten Tag hinweg war bestens gesorgt. Ein herzliches Dankeschön gilt allen Kuchenbäckerinnen und Kuchenbäckern, die für ein reichhaltiges Kuchenbuffet sorgten.

Besonders beliebt war bei den hochsommerlichen Temperaturen ein hinter dem Gerätehaus aufgebauter 5.000-Liter-Faltbehälter. Die willkommene Abkühlung wurde vor allem von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Jugendfeuerwehr mit großer Begeisterung angenommen.

Aufgrund der hohen Temperaturen wurde am Abend einstimmig beschlossen, eine weitere geplante und besonders kräftezehrende Übungslage nicht mehr durchzuführen. Die Gesundheit und Sicherheit aller Beteiligten stand dabei an erster Stelle.

Nach der letzten Übung wurden gemeinsam alle Fahrzeuge und Geräte wieder einsatzbereit gemacht. In der anschließenden Nachbesprechung zogen Organisatoren und Führungskräfte ein durchweg positives Fazit. Die verschiedenen Szenarien lieferten zahlreiche wertvolle Erkenntnisse darüber, wie unterschiedliche Einsatzlagen angegangen werden können. Dabei wurden sowohl die Stärken der Mannschaft sichtbar als auch Bereiche identifiziert, in denen weitere Ausbildung zusätzliche Sicherheit und Routine schaffen kann.

Denn genau das ist das Ziel einer solchen Übung: Erfahrungen sammeln, voneinander lernen und sich kontinuierlich verbessern. Oder, wie es bei der Feuerwehr häufig heißt: Nach der Übung ist vor der Übung.

Den gemeinsamen Ausklang fand der Tag schließlich in geselliger Runde am Feuerwehrgerätehaus. Nach zwölf Stunden Ausbildung, zahlreichen Übungslagen und sommerlichen Temperaturen bot sich dabei Gelegenheit, die Erlebnisse des Tages noch einmal gemeinsam Revue passieren zu lassen.

Unser herzlicher Dank gilt allen, die zum Gelingen dieses Ausbildungstages beigetragen haben: den Organisatoren und Ausarbeitern der Übungslagen, allen Verletztendarstellern, den Eigentümern der Übungsobjekte, den Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr Bachhausen für die gemeinsame Durchführung der Übungen, allen Helferinnen und Helfern in der Verpflegung sowie den zahlreichen Kuchenspendern. Ein besonderer Dank geht außerdem an die Feuerwehr Wolfratshausen, die uns für die Großtierrettung ihre Übungskuh als Leihgabe zur Verfügung gestellt hat.

So schloss sich am Ende des Tages der Kreis: Von der Kunststoff-Kuh am Morgen bis zur ABC-Lage am Abend konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahezu die gesamte Bandbreite moderner Feuerwehrarbeit unter realistischen Bedingungen trainieren.