Am 13.08.2011 mittags machten sich 2 Kameraden der FF Berg (Timmy Lindner und Stephan Fenzl) zusammen mit unserer Dienstsporttrainerin Clarissa Höbart zur Überquerung des Watzmanngrats von Nord nach Süd auf.
Die Überschreitung war bereits seit einigen Monaten geplant und reserviert worden, leider musste wegen gesundheitlichen Problemen ein (anderer eingeplanter) Wanderer abspringen, es konnte aber spontan Ersatz in der eigenen Mannschaft gefunden werden. Einige Tage bevor es losgehen sollte fanden sich noch weitere Teilnehmer aus der Wehr die mitbekommen hatten was geplant war, die aber auf Grund der absolut ausgebuchten Watzmannhütte leider nicht mehr mitgenommen werden konnten (es wurden am nächsten Abend auch tatsächlich andere Wanderer von der Hütte wieder ins Tal geschickt da überhaupt kein Platz mehr zu finden war und ohne Reservierung vom Hüttenwirt nichts zu machen war).
So starteten wir also um 11 Uhr am Gerätehaus in Berg, ausgerüstet mit genug Getränken und allen Dingen die man im Hochgebirge so brauchen könnte. Nachdem wir 2 Übernachtungen eingeplant hatten um genug Zeitreserve für die Überquerung zu haben wollten wir am Montagmittag wieder zurück in Berg sein. Der Wetterbericht prognostizierte traumhaftes Wetter für Sonntag (den Tag der eigentlichen Überschreitung), allerdings mit einer Gewitterwarnung für den Abend die wohl beachtet werden wollte.
Auf der A8 Richtung Salzburg standen wir dann erst mal gut eine Stunde im Schönwetter-Wochenend-Stau bevor wir um 14:15 Uhr unseren Aufstieg zum Watzmannhaus (1930m) beginnen konnten. Angeschrieben waren 4 Stunden (1300 hm), wir legten jedoch ein sportliches Tempo vor und waren so bereits um 17 Uhr auf der Hütte und konnten uns im reservierten 6-Bett-Zimmer einquartieren. Leider war es beim Aufstieg sehr neblig so dass wir von den umliegenden Bergen als auch dem morgigen Weg kaum etwas erkennen konnten. Nach dem Abendessen machten die Wolken dann aber doch noch auf so dass wir einen wunderschönen Sonnenuntergang erleben durften. Die Hütte war so überfüllt dass einige Wanderer im Garten bei Nebel und auf Bierbänken ihr Abendessen einnehmen mussten da in den Gasträumen selbst kein freier Stuhl mehr zu finden war. Wir waren jedoch schnell genug und ergatterten einen gemütlichen Ecktisch wo wir unser Abendessen (und als Nachspeise eine große Portion Kaiserschmarrn) einnehmen konnten.
Um den Gewittern am nächsten Nachmittag zuvorzukommen beschlossen wir bereits um kurz nach 5 Uhr aufzustehen und direkt nach dem Frühstück um 6 Uhr die Hütte Richtung Gipfelgrad zu verlassen. Wir waren jedoch nicht die ersten. Eine kleinere Truppe startete bereits kurz nach 4 Uhr Richtung Nordgipfel. Uns folgten in kurzen Abständen dann weitere 30 Personen Richtung Gipfel. Die Laufzeit für die Tour bis zur Wimbachgrieshütte (unserem Tagesziel) war mit 10 Stunden ausgeschrieben, wir sollten also bis 16 Uhr noch vor den Gewittern wieder im Trockenen sein, die vorsichtige Kalkulation bewies sich in unserem Fall allerdings als unbegründet da wir wohl wesentlich schneller unterwegs waren als andere Wanderer und sich auch bis zum Abend kein Gewitter zeigte.
Wir erreichten den ersten Gipfel (Hocheck, 2651m) bereits nach 1:30 Stunden Aufstieg (720 hm) um 7:30 Uhr und konnten dort die ersten Sonnenstrahlen und das wahnsinnige Bergpanorama am Morgen in vollen Zügen genießen. Nach 15 Minuten Fotopause und einem kleinen Snack machten wir uns dann an die eigentliche Überschreitung des Grats. Diese war vom Nord- über den Mittel- bis zum Südgipfel mit 3 Stunden angegeben und sollte auf Grund der Steil- und Ausgesetztheit ausschließlich bei bestem Wetter begangen werden. Mit einigen Kletterstellen im I. und II. Grad waren auch einige nette Stellen zu bewältigen. Nachdem wir aber alle drei gern kraxelten war es ein reiner Genuss den Grad zu erwandern. Bei ziemlich starkem (und dort oben auch frischem) Wind erreichten wir um 8:15 Uhr den höchsten Punkt der Tour (Mittelspitze, 2713m) und stiegen gleich weiter bis zum Südgipfel (2712m), den wir um 10:00 Uhr erreichten, um dort in der inzwischen stärker werdenden Sonne eine 30minütige Pause mit Verzehr der mitgenommenen Brote zu machen.
Viele Wanderer kehrten bereits am Hocheck oder spätestens der Mittelspitze um da die schwierigsten Stellen erst im letzten Stück zum Südgipfel zu bewältigen waren. So saßen wir mit noch ca. 20 weiteren Wanderern glücklich am Südgipfel und bewunderten die bezwungene Route und das Bergpanorama zum Königssee. Eigentlich hatten wir erwartet erst am frühen Nachmittag dort zu sein, umso mehr erfreuten wir uns an der großartigen Leistung jedes einzelnen die Route in 4 Stunden bewältigt zu haben. Es folgte ein sehr steiler Abstieg im lockeren Geröll bei dem sehr darauf geachtet werden musste keinen Fehltritt zu setzen um nicht abzurutschen oder einen Steinschlag auszulösen, der die darunter gehenden Wanderer nicht unerheblich gefährdet hätte.
Nach dem 3 stündigen Abstieg von 2712m auf 1327m (Wimbachgrieshütte) ließen wir uns dort erst mal ein kühles Getränk und eine Brotzeit schmecken. Die Wimbachgrieshütte liegt inmitten eines riesigen Stein-/Kiesel-/Sandfelds das vor ca. 10 Jahren durch eine gewaltige Schneelawine (und dem regelmäßigen Schmelzwasser) geschaffen wurde und ist wie eine grüne Insel inmitten des riesigen kargen Schutttals. Im Gegensatz zum ersten Tag eine völlig gegensätzliche Landschaft die man an dieser Stelle gar nicht erwartet hätte.
Nach der kurzen Stärkung stellte sich die Frage ob man denn das schöne Wetter nicht ausnutzen wollte um komplett abzusteigen und sich die Übernachtung und den ggf. nassen nächsten Wandertag zu sparen. Einstimmig war man für die Weiterwanderung bis zum Ausgangspunkt, der noch ca. 3,5 Stunden von der Hütte entfernt war. Da es aber erst 14 Uhr war und das Barometer keinerlei negative Änderung anzeigte war davon auszugehen dass wir mit dem Gewitter Glück haben würden. So stiegen wir also gemütlich weitere 700hm im weiten Schuttbett ab, im Rücken die Sonne, vor uns die hohen Berge und nichts als blauer Himmel. So konnten wir uns den Watzmanngrad noch mal in aller Ruhe von der Seite betrachten und den Tag glücklich und erfüllt ausklingen lassen.
Die Füße waren nach den über 1000hm hoch und 2000hm runter, 18,5 km Strecke und 6,5 Std. reiner Laufzeit dann zwar doch ziemlich geschunden, dies konnte nach dem heute erlebten aber ganz locker hinten angestellt werden. Um 16:15 Uhr erreichten wir den Parkplatz an der Wimbachbrücke, nahmen noch ein kühler Fußbad im nahen Fluss, und machen uns auf die Rückfahrt nach Berg, um auf dem Weg dann nochmal etliche Zeit im Stau zu stehen und dadurch gezwungenermaßen die ländliche Gegend rund um Bad Aibling und Bad Feilnbach ausgiebig erkunden zu dürfen :-)
Nach einem Abstecher in einem Geheimtipp von Stephan (Wirtshaus mit sagenhaften Kuchenstücken - und auch absolut günstigen Preisen) nahe der A8 fuhren wir gut gestärkt weiter und erreichten um 21:30 Uhr Berg.